Eichenprozessionsspinner
Der Eichenprozessionsspinner wurde erstmalig im Jahr 2001 im Kreis Kleve an der B9 zwischen Geldern und Kevelaer gesichtet. Er kam aus dem benachbarten holländischen Gebieten. Seit dieser Zeit hat er sich flächendeckend über dem gesamten Kleve Kreisgebiet ausgedehnt. Im Jahr 2003 wurden erstmalig auch Gebiete rechtsrheinisch befallen. Seit dem vergangenen Jahr, also 2004, sind weite Teile links und rechtsrheinisch vom EPS betroffen.
 | Kreis Kleve
|  | Westliche und südliche Teile des Kreis Borken
|  | Kreis Wesel
|  | Stadt Oberhausen
|  | Nordwestliche Bereiche des Kreis Essen
|  | Nordwestliche Bereiche des Kreises Viersen und Mönchengladbach
|  | Nördliche Bereiche des Stadtgebietes Krefeld
|  | Nördliche Randbereiche des Kreises Duisburg |
Laut Erkenntnis des Pflanzenschutzdienste sind vereinzelte Vorkommen bis in die Köln-Aachener Bucht verzeichnet.
Der Eichenprozessionsspinner kommt an Stiel-und Traubeneiche, aber auch vereinzelt an Roteiche und Hainbuchen vor. Zur Massenvermehrung kommt es hauptsächlich in trockenen und sehr warmen Jahren, wie im Jahr 2003. Der EPS ist sehr wärmeliebend, sodaß wir ihn hauptsächlich an freistehenden Bäumen, Straßenbäumen und Randbäumen in Bereich mit hoher Wärmereflexions wie bituminöse Belege aber auch ländlichen Flächen wie Getreidefelder , die auch noch in den Abendstunden Wärme abgeben.
Um Bekämpfungsmaßnahmen gegen den Eichenprozessionsspinner einleiten zu können werden einige Grundkenntnisse vorausgesetzt, wie
 | Biologie und jährlicher Entwicklungszyklus |
 | Gefährdung durch Gifthaare |
 | Allergische Reaktionen |
 | Überwachung der Vorkommen |
 | Bekämpfung |
Der unscheinbare Falter, einer Motte gleichend, von ca 30mm Größe, be-ginnt im Zeitraum August / Sebtember mit dem Hochzeitsflug. In dieser Zeit legt er 0,5mm große Eier in einem Verbund von je 150-200 Stück an Zwei-gen (Feinastbereich) ausschließlich im oberen Kronenbereich der Eichen ab. Anschließend werden diese Gelege durch ein graugrünes Sekret getarnt. Die-se Eigelege 0,5 x 3,0 cm findet man in der Regel anAstabzweigungen.Bereits im Herbst entwickeln sich kleine Embryonen (Jungraupen), die aber noch in der Eihülle überwintern.
Gifthaare
Allergische Reaktion/ Symptome
Die allergische Reaktion kann sehr unterschiedlich ausfallen. Bei Personen oder Tieren richtet sich die Empfindlichkeit und Reaktionsintensität mit der Anzahl der Kontakt. So kann es sein, daß eine geringer Kontakt einen Juckreiz auslöst, während ein heftiger Kontakt mit der Haut zu starken Juck-reiz, Schüttelfrost, Schwindel oder zu allerischen Schockreaktionen führen kann. Bei starken Kontakt verspürt man prickelnden Moment , der nach wenigen Minuten o.g. Reaktionen auslöst. Kontakte mit der Haut führen zur sogenannten Raupendermatitis (Hautausschläge), Schwellung, Quaddel-bildung. Typisch für den Kontakt ist der über viele Tage anhaltenden Juck-reiz. Besonders gefährdete Körperstellen sind Gesicht, Hals , Innenseite der Arme und Beine, Achselhöhlen Armbeugen und Kniekehlen.
Zu den Risikogruppen zählen:  | Erholungssuchende
|  | Besucher von Freizeitanlagen
|  | Spielende Kinder
|  | Arbeitskräft in Forstwirtschaft, Landschaftspflege-Betrieben und Straßenmeistereien
|  | Tiere, Kühe und Pferde |
Überwachung
Um eine Einschätzung der Populations-entwicklung zu bekommen, ist es notwendig anhand von stichprobenartigen Kontrollen Eigelege in den oberen Bereichen der Eichenkronen zu veranlassen. Hierzu werden Eichenzweige auf Eigelege untersucht. Die gefundenen Gelege werden markiert und der Standort katalogisiert. Schon wenige gefundene Gelege weisen immer schon auf eine erhöhte Dichte hin.
Bei der Suche nach Eigelegen muß unterschieden werden zwischen alten und neuen Ablagen. Alte Eier haben eine winzig kleine Öffnung an der Oberseite und sind von der Farbe dunkelanthrazid bis schwarz. Bei neuen Gelegen ist die Ablagestruktur wabenförmig geschlossen, seidenglänzend, hellgrau bis hellanthrazid. Um das Eigelege zeichnet sich ein heller Rand ab. Die Gelege findet man an dünnen Zweige von 1-2 cm Stärke.
Bekämpfung
Bei der Bekämpfung handelt es sich in NRW nicht um eine Pflanzenschutz-maßnahme, sondern um eine Gefahrenabwehr gegenüber Mensch und Tier. So entschied das Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbrauerschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, daß befallenen Pflanzen durch den Eichenprozessionsspinner keinen nenneswerten Schaden droht; aber die Bekämpfung vorrangig das Ziel hat, Gesundheitsbeein-trächtigungen für Mensch und Tier durch die Berührung von Raupen und Gifthaaren auszuschließen. Daraus ist ersichtlich, daß die Aufforderung zur Bekämpfung und die Erteilung von Ausnahmegenehmigungen zum Einsatz von chemischen Bekämpfungsmittel nicht in der Zuständigkeit des Pflanzenschutzdienstes liegt. Zuständig sind nach Meinung des Innenminsteriums die
allgemeinen Ordnungsbehörden für die Maßnahmen zur Gefahrenabwehr.
Bei der Bekämpfung müssen vorrangig hygienische Gründe in Erwägung gezogen werden . Einsatz von Insektiziden sollte nur dort erfolgen, wo eine langfristige Absperrung des betroffenen Geländes unmöglich ist. Der Einsatz von Insektiziden ist sicherlich die kostengünstigere Methode, jedoch ist die-se Maßnahme sorgfältig abzuwägen im Hinblick auf Natur- und Wasser-
schutz.
Zuständig sind auf öffentlichen Flächen sind die Städten und Gemeinden, auf Privatgrundstücken der Eigentümer. Auf Flächen mit viel Publikumsverkehr sollte der EPS zu 100% bekämpft werden.
Schulen
Kindergärten und Tagesstätten
Schwimmbäder
Freizeitanlagen, Zeltplätze
Krankenhäuser und Kliniken
Auf diesen Flächen können Kontakte entstehen durch Herum-stochern in Gespinsten, Flug von Gifthaaren bei starken Winden, Kontakt mit Gifthaaren auf Rasenflächen in Schwimmbädern und Freizeitanlagen.
Die Bekämpfung kann unterschiedlich erfolgen und zwar je nach Standort der befallenen Bäume:  | Spritzen von Biologischen Präparate
|  | von Helikoptern oder Flugzeuge
|  | von Hubarbeitsbühnen
|  | Spritzem von biochemischen Präparatevon Hubarbeitsbühnen
|  | Spritzen von Insektiziden
|  | Abbrennen von Gespinsten
|  | Absaugen von Gespinsten |
Spritzen von Helikoptern
Hierbei werden Flächenbestände, aber auch einzelstehende Bäume in der freien Landschaft aus der Luft mit bioloischen Präparaten besprüht. Als Mittel werden in erster Linie Bacillus thuringiensis-Präparate wie Dipel ES oder Xen tari verwendet. Die Mittel sind rein biologisch und absolut ungiftig. Sie müssen von den Raupen gefressen werden. Der Bazillus wirkt auf den Darmtrakt der Raupen, sodaß diese keine Nahrung mehr aufnehmen können. Die Raupe stirbt nach kurze Zeit ab. Der Bacillus ist bei einer Temperatur von 15° C ca. 3-4 Tage aktiv. Fällt die Temperatur unter 15° C stirbt der Bacillus ab. Dieser Bacillus sollte 12-15 Tage nach dem ersten Schlupftermin gespritzt werden, um möglichst alle geschlüpften Raupen zu erfassen.
Der Vorteil dieser Spritzung liegt darin,daß befallene Gebiete kurzfristig flächendeckend besprüht werden können und daß das Spritzmittel die oberen Triebspitzen der Bäume erreicht.
Der Nachteil liegt darin daß bestimmte Grundstück mit ausgespart werden können. Innerstädtische Spritzungen können aufgrund der Abtrifft nicht durch-geführt werden.
Spritzen von Hubarbeitsbühnen
Biologische Mittel lassen sich hervorragend mit Spritz-und Nebelgeräte von Hubarbeitsbühnen ausbringen. Hierbei wird in erster Linie der Kronenmantel-bereich erfaßt. (Hier schlüpfen die Raupen und fressen an jungen Eichenblättern).
Die Abtrifft ist hierbei gering und es werden fast nur Eichenpro-zessionsspinnerlarve, Eichenwickler und Schwammspinner erfaßt.
Biochemische Präparate, wie Dimilin oder Nomolt sind sogenannte Häutungshemmer, die eine Weiterentwicklung von Larven verhindern. Häutungshemmer sind nicht 100%ig ungiftig und bedürfen einer weiträumigen Absperrung beim Spritzen bis dieses Mittel angetrocknet ist. Hierbei werden alle Insekten erfaßt, die eine Larvengeneration besitzen, also auch Tagfalter und Nützlinge. Dimilin darf nicht im Bereich von Gewässern gespritzt werden.
Insektizide wie Karate WG Forst wirken auf alle Insekten tötlich und sollte daher keine Anwendung finden.
Das Ausbringen von Bioziden an Naturdenkmalen , in Landschafts-und Naturschutzgebieten bedarf der Genehmigung der Unteren Landschaftsbehörden.
Abbrennen
Das Abbrennen von Gespinsten und Nestern ist die bewährteste Alternative zu spritzen in den Larvenstadien 4-6., in der Verpuppungsphase und auch noch nach dem Schlüpen der Falter (Beseitigung von Altnestern). Hierbei werden mit einem Gasbrenner die Nester an den Baumstämmen gelöst, indem man die Gespinste abflammt. Die eigentlichen Nester werden abgesammelt, verbrannt oder einer Müllverbrennungsanlage zugeführt. Mittels Hubarbeitsbühnen und einem eingepielten Team können pro Tag zahlreiche Bäume behandelt werden.
Absaugen
Das Absaugen erfolgt mittels eines Unterdruckbehälters, welcher mit Wasser gefüllt ist. Abgesaugte Nester werden dann in das Wasser gersaugt und so unschädlich gemacht. Industriesauger sind hierfür nicht geeignet. Aufgrund der langen Saugschläuche sind die Geräte unflexibel.
Schutzeinrichtungen
Bei allen Spritzmaßnahmen muß auf entsprechende Schutz-kleidung und Atemschutz geachtet werden.
Beim Abbrennen und Absaugen sind unbedingt Vollschutzanzüge mit Augen und Atemschutz zutragen.
Vollschutzanzüge müssen mit Kapuzze und an den Hosenbeinen und Ärmeln sollte ein Gummizug vorhanden sein, sowie verschweißte Nähte haben. Einfach einlagige Anzüge, wie sie in Spritzkabinen verwendet werden, sind nicht geignet, da sie vom mikrofeinem Haarstaub durchdrungen werden.
Als Atemschutzmaske kommen Masken mit Ausatemventil der Klasse FFP3S in Frage. Als Schutzbrillen eignen sich PVC-Vollschutzbrillen ohne Ventilationslöcher.
Sofortmaßnahmen bei Haarkontakt
Bei allen Arbeiten , die zur Beseitigung von Eichenprozessionsspinnerraupen bzw Haaren durchgeführt werden, kommt es unwiderruflich zu Kontakten mit dem mikro-feinem Haarstaub. Während der Arbeitspausen, beim Abnehmen von Schutzbrillen und Atemschutz können Haare die menschliche Haut berühren. Auch beim Abflammen kommt es Auftriebsströmmungen.
Kurz nach dem Kontakt werden die Körperteile prinkeln warm bis heiß, errötet und es bilden sich Quaddeln. Bei schwachen Kontakten ist der Einsatz von juckreizstillenden Salbe möglich. Bei stärkenen Kontakten im Gesicht und Halsbereich über 100 qcm ist eine Erstversorgung mit Franzbranntwein und kortisonhaltigen Salben von Vorteil. Ein Besuch beim Facharzt und entsprechen-der Kortisonbehandlung läßt den ernomen Juckreiß bereits nach 12 Stunden abklingen. (Ohne Behandlung hält der Juckreiz bis zu 14 Tage an). Ein Kontakt mit den Schleimhäuten wie Nase, Mund und Auge gehören in die Obhut eines Arztes.
Befallene Kleidung ist in mindestens 60° C heißes Wasser zu reinigen. Bei den Temperaturen zerfallen die Eiweißgifte. 
|